Über gute und schlechte Geschenke

Kennt ihr das? Ihr habt Geburtstag, alle eure Freunde und Verwandten stehen um euch herum. Vor euch ein Haufen Geschenke, mal aufwendig, mal lieblos verpackt. Ihr habt gerade die Kerzen auf eurem Kuchen ausgeblasen und jetzt warten alle darauf, dass ihre einfallsreichen Geschenke ausgepackt werden. Innerlich zittert ihr schon, denn was, wenn das Präsent nicht gefällt? Wenn ihr gute Schauspieler seit, werdet ihr die Situation schnell und mit euphorischer Miene hinter euch bringen.

Eine rote Filztasche von Oma? Ooooh, Rot ist GENAU meine Farbe – danke Omi! Ein Freundschaftsband von einer Freundin, die schlicht und einfach einen anderen Geschmack hat als ihr? Wow, ich LIEBE gelbe Perlen, so eines wollte ich schon immer! Eine Vase von der Kollegin, die einfach gar nicht in eure Wohnung passt? Super, danke, die kann ich zur Zeit echt gebrauchen, meine Vase ist letzte Woche kaputt gegangen! Heuer allerdings hatte ich richtig Glück und Freunde, die zuhören können. Deswegen wussten die auch, dass ich mir ein zweites Objektiv zu meiner Kamera wünsche. Das hab ich dann auch bekommen, die Freude war auf beiden Seiten groß und meine Freizeitbeschäftigung in meiner Urlaubswoche war gesichert. Ganz nebenbei habe ich von ihnen dann auch noch ein blitzblaues Schminktäschchen von Tory Burch bekommen – so als kleine Draufgabe (ich bin TOTAL ausgeflippt). Was für ein toller Geburtstag! Und hier die ersten Resultate von den Aufnahmen mit dem neuen Objektiv – Blende gaaaanz weit auf und los geht’s:

P.S: eine Sache noch, die mir am Herzen liegt; schaut doch heute bei The Daily Dose vorbei, wir berichten heute über Renate, die sich mit einem Blumengeschäft selbstständig gemacht und damit ihren Traum erfüllt hat – eine inspirierende Geschichte für uns alle wie ich finde!

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen

So. Vor knapp zwei Wochen haben Vicky und ich unsere Launch Party für The Daily Dose gefeiert. Blogazine-Geburtstagsparty quasi, nur ohne Torte und Lied, dafür aber mit Eis und Cocktails. Auch nicht schlecht. In der Zwischenzeit habt ihr sicher auf ein oder zwei Blogs einen Bericht über die Party gelesen (wenn nicht: hier oder hier oder hier oder hier oder hier) – deswegen erspare ich euch jetzt mal das ganze Drumherum und die pinken Luftballons und komme zum Wesentlichen: meiner psychischen Verfassung vor der Party. Ich habe bis jetzt geglaubt, dass ich psychisch ein recht stabiler Mensch bin (Lüge!), oder dass ich zumindest einiges aushalten kann – offensichtlich gab es da ein Missverständnis mit mir selbst,

wie sich in den Nächten vor der Feier herausgestellt hat – da hab‘ ich nämlich kein Auge zugetan und essen konnte ich sowieso drei Tage lang nix. Nicht einmal vor meiner Matura war ich so nervös, auch nicht vor der Diplomprüfung, nicht mal dann, wenn ich mir selbst die Augenbrauen färbe. Ihr müsst wissen, ich bin von Sternzeichen Löwe, und zwar ein Vollblutlöwe wie er im Bilderbuch steht. Um euch das Bild des Löwen näherzubringen, ein paar Eigenschaftsdefinitionen von „Astro Power“ (haha, der Name ist so geil), die fett markierten Eigenschaften treffen zu 100 % auf mich zu (für die Kurzsichtigen unter uns – hier ist alles fett markiert Nachtrag: beim nochmaligen Durchlesen der Eigenschaften habe ich festgestellt, dass ich nicht männlich bin, eine doch recht späte aber notwendige Erkenntnis):

kreativ, emotional, eigenständig, eigenwillig, imposant, majestätisch, königlich, kraftvoll, mutig, aktiv, männlich, stolz, würdevoll, schöpferisch, herzlich, ehrlich, heldenhaft, vergnügungssüchtig, entschlossen, selbstherrlich, selbstsüchtig, selbstsicher, selbstbewusst, lässig, faul, großzügig, großspurig, extrovertiert, risikofreudig, riskant, mutig, unerschrocken, heldenhaft, wagemutig, überheblich, arrogant, draufgängerisch, verspielt, kindlich, naiv.
 
Soviel dazu. Dann gibt es auch noch folgende Definiton auf Astro Power:Im Zeichen Löwe geborene Menschen sind großmütig. Sie müssen im Scheinwerferlicht stehen und wenn sie das erreicht haben, genießen sie es im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.“ Und weiters: „Die Stärken des Löwen liegen in seinem Organisationstalent und in seiner Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Er besitzt ein riesiges schöpferisches Potenzial, das er auch gerne im Job einsetzt.“ 
 
Wir wissen jetzt also, dass Löwen gern im Scheinwerferlicht stehen und keine Angst vor Herausforderungen haben. Man sollte daher meinen, so eine kleine Feier sei für mich ein Klacks. Ich dachte dasselbe, bis mir zwei Tage vor besagter Party einfiel, dass wir ja eine REDE halten sollten. Ich meine, eine Feier ohne Rede ist wie Schnitzel ohne Reis – oder so, jedenfalls wenn man Reis mag. Ich mag ja Kartoffeln zum Beispiel gar nicht so gern zum Schnitzel, mir ist Reis viel lieber. Naja. Jedenfalls sitzen die Vicky und ich am Abend bei ihr zuhause und rollen kleine Röllchen mit unseren Press Kits für die Goodie Bags (bitte tosender Applaus an dieser Stelle, wir hatten Press Kits und Goodie Bags!!), und auf einmal sagt die zu mir: „Heeey, wir könnten doch jetzt eigentlich mal unsere Rede üben!“. „Na Bumm“, denk ich mir, und jede Ruhe, die ich bis zu diesem Zeitpunkt noch hatte, war dahin. Ich meine, in meinem Hinterkopf wusste ich die ganze Zeit, da war doch was, aber ich hatte es bis dato erfolgreich in die tiefsten Tiefen meines Bewusstseins zurückgedrängt. Ungefähr dahin, wo ich auch die Matheformeln und Telefonnummern von Festnetzanschlüssen gelagert habe. 
 
Dann haben wir jedenfalls geübt, bis Vicky sich eine spitze Scherbe in den Fuss gerammt hat – sie hat mir schon sehr leid getan, aber immerhin war damit das unliebsame Thema „Rede“ vom Tisch. An die darauffolgenden Tage habe ich keinerlei Erinnerung mehr, mein Körper befand sich wahrscheinlich seit der Erkenntnis der bevorstehenden Rede im Schockzustand. Vicky dagegen ist rumgerannt wie ein Eisblock, so cool war sie (sie war allerdings schon viel länger nervös als ich, aber sie hat das halt gescheit gemacht und auf kleine Dosen aufgeteilt, quasi ihre Daily Dose of Panicking) – am liebsten hätte ich mich bei ihr festgeklammert und die Augen zugemacht, bis es vorbei ist. Im Endeffekt war’s dann so: obwohl ich die ganze Zeit kurz vor dem Herzstillstand war, hab‘ ich es glaub ich doch ganz OK rübergebracht und mich kurz davor sogar darauf gefreut, endlich allen von unserem Projekt erzählen zu können. Naja, wir sind ja auch ziemlich stolz darauf, was wir geschaffen haben – das kann man ja auch mitteilen! Schaut mal, das waren wir bei der Rede:
 
Im Großen und Ganzen habe ich folgendes gelernt:
 
– fahre vor einer Party nicht auf Urlaub
– falls du doch auf Urlaub fährst, bedenke, dass du einen 40-Stunden-Job hast, ergo nur die Feierabende         für Planung und Organisation zur Verfügung stehen
– engagiere einen Praktikanten, der dir intravenös Baldrian spritzt und dir zufächert; wenn er damit nicht          ausgelastet ist, lasse ihn die Röllchen für die Press Kits einrollen
– halte ein Glas Wasser für die Rede bereit, es sei denn, du willst innerlich austrocknen
– bring ein Sackerl für die Geschenke mit (ehrlich, das war wie Weihnachten!)
Eine Party zu feiern ist wirklich lustig, aber nächstes Mal komm‘ ich wieder als Gast – da hat man auch mehr von den Cocktails und vom Eis!

Insta Love #13: Couples Edition

Das ist ja so eine Sache mit den gemeinsamen (Spiegel-)fotos und den Männern an unserer Seite. Ich kenne hier ziemlich viele verschiedene Exemplare der Gattung „Mann“ und deren Einstellung zu Pärchenfotos vor und hinter dem Spiegel, habe es aber geschafft, sie im Lauf der Zeit zu kategorisieren.
Mein lieber G. ist definitiv Typ 2 (und ich bin echt froh drüber)!
1. Der Prinz
Der Prinz, in seiner extremen Form auch „Prinzchen“ genannt, stößt bei der Aufforderung zu einem gemeinsamen Foto einen freudigen, dem Balzruf nicht unähnlichen Laut der Begeisterung aus. Kurz darauf erscheint auf seinem Gesicht entweder ein fratzenhaftes Grinsen, oder aber er entscheidet sich für die gewagtere Variante und umarmt sein Weibchen. Die Steigerungsform des Umarmens ist der „Fotokuss“, der mit geschlossenen Augen und gespitzten Lippen vollzogen wird – dieser ist allerdings nur selten in freier Wildbahn und nur am Höhepunkt der Paarungszeit zu beobachten.
2. Das Model
Das Model ist einem gemeinsamen Foto nicht abgeneigt, steht aber nicht in jeder Lebenssituation dafür zur Verfügung und bedarf für das Spiegelfoto einiger Vorbereitung. Vor dem Foto wird das Balzkleid zurechtgelegt, bei der Abbildung werden mehrere Anläufe gebraucht, bis es zum endgültigen Vollzug des Fotoakts kommt. Selten werden dem Weibchen gegenüber auf den Bildern Liebkosungen zum Ausdruck gebracht, er konzentriert sich hierbei eher auf sich selbst – dies ist jedoch abhängig von der jeweiligen Stimmung des Männchens vor dem Foto. Will das Weibchen ihren potentiellen Fotopartner zu einem Ausdruck der Zuneigung am Foto bringen, greift es vorher oft zu erotisierenden Maßnahmen, um das Männchen in die richtige Stimmung zu versetzen.
3. Der Grinch
Der Grinch hasst Fotos jeglicher Art, vor allem aber mit seinem Weibchen – es könnte für seinen weiteren Paarungs- und Balzerfolg bei anderen Weibchen hinderlich sein. Des Weiteren fürchtet er Imageschäden innerhalb seiner Gattungsgruppe und hat Angst, von seinen Artgenossen geächtet zu werden. Er lehnt es ab, in sentimentalen Posen verewigt zu werden. Falls dies doch geschieht, greift er zu drastischen Maßnahmen, um die Veröffentlichung der Fotos zu verhindern. Dies ist beim Grinch genetisch veranlagt und nicht änderbar. Das Fotoverhalten des Grinch sagt allerdings nichts über seine Stimmungs- und Gefühlslage dem Weibchen gegenüber aus – oft drückt er seine Zuneigung in stillen Momenten aus, indem er sich an das Weibchen schmiegt und liebkost werden möchte.
Welcher Fototyp ist euer Freund? Habt ihr noch ein Exemplar, das ich vergessen habe? Schönes Wochenende meine Lieben!

Mein Leben als Rauch(-er)

Ich will euch heute eine kleine-große Geschichte erzählen. Die Geschichte heißt: Wie Katharina „mein zweiter Name ist Kettenraucher“ zum Nichtraucher wurde. Untertitel: Mit ein bisschen Dramatik ist alles möglich. Auch wenn es jetzt schwer vorstellbar ist, habe ich eine lange Zeit meines Lebens als Raucher verbracht. Ich würde sogar sagen, dass der Begriff „Raucher“ für das was ich war, nicht ausreicht – streichen wir also das „-er“ und machen daraus nur „Rauch“, das beschreibt es besser. Ich habe also eine lange Zeit meines Lebens als Rauch verbracht – zumindest muss mich meine Umgebung so empfunden haben. Ich habe damals ungefähr 30 Zigaretten am Tag geraucht und habe es GELIEBT – Rauchen und ich, das hat einfach gepasst. In meinen sucht-verworrenen, vernebelten Gedanken hatte ich Angst vor der Vorstellung, irgendwann mal schwanger zu werden, denn dann hätte ich ja damit aufhören müssen. Die Zigarette war mein bester Freund, mein „Socializer“, meine Ablenkung und Trost, mein Wartezeitenverkürzer und mein Begleiter bei den besten Gesprächen über Kerzenlicht und Rotwein.
Ihr könnt euch jetzt ungefähr vorstellen, wie stark ich abhängig war von meinem Nikotinfreundchen und wie sehr ich ihn geliebt habe – es wäre mir zu keinem Zeitpunkt in den Sinn gekommen, damit aufzuhören, ganz im Gegenteil: als diese schleichende Anti-Raucher-Bewegung vor ein paar Jahren angefangen hat, dachte ich mir nur, „jetzt erst recht ihr Spiesser, meine Lebensfreude lass‘ ich mir bestimmt nicht nehmen!“. Das sind übrigens die typischen Gedanken von, sagen wir mal vorsichtig „fast“ (ich will ja hier nicht wieder eine auf’n Deckel von den Rauchern kriegen, die von sich behaupten sie seien anders) allen Rauchern, man würde ja nicht auf die Idee kommen, dass es einfach grauslich ist was man macht und damit sich und seine Umgebung derart belästigt, dass es eigentlich eine Frechheit ist – nein, man fühlt sich eigentlich immer nur unfair behandelt und verlangt von allen anderen, dass sie den Rauch und den Gestank gefälligst hinzunehmen haben. Ist doch eigentlich total logisch, oder? Dafür können die Raucher übrigens nix, dass sie so denken – so funktioniert eben Suchtverhalten, ganz nebenbei gesagt.
Ich war also mit meinen Freunden in der „Wir-sind-Raucher-und-wir-lieben-es“ Traumwelt, es war geil und wir hätten ewig so weitermachen können – bis ich meinen Freund kennengelernt habe. Der ist nämlich strikt gegen jeglichen Drogenkonsum (außer Alkohol, der ist sozusagen unser gemeinsamer Freund). Gesagt hat er am Anfang nichts, denn wenn man frisch verliebt ist (ich geh‘ zumindest davon aus, dass er das war), akzeptiert man ja so einiges. Aber nach der Zeit beschlich mich langsam das Gefühl, dass dem G. (nein, ich will hier nicht G-Punkt sagen, dass ist nur die Abkürzung für meinen Freund) das nicht so taugt – wenn ein Mensch wie von der Tarantel gestochen von dir wegrückt wenn du ihm ein Küsschen aufdrücken willst, ist das auch nicht wirklich schwer zu interpretieren. Das war der Anfang vom Ende. Ich habe dann immer recht wenig geraucht, wenn ich bei ihm war, dafür aber vorher und nachher umso mehr – man muss ja schließlich seinen Pegel aufrecht halten!

Irgendwann war er dann für ein Wochenende nicht da und innerlich ist in mir die große, neue Freiheit ausgebrochen – ich bin mit meinem besten Freund losgezogen (Benni, du bist schuld!) und hab‘ ein ganzes Wochenende geraucht wie ein Schlot – bis ich mich dann am Sonntag Abend gefühlt hab wie ein nasses, ausgedrücktes Handtuch auf der Wäscheleine und mich innerlich vor mir selbst gegraust hab‘. Also beschloss ich, aufzuhören, und musste es natürlich in bekannter, oberdramatischer  Kathi-Manier sofort vor versammelter Mannschaft verkünden – sonst wär’s auch nur halb so geil gewesen!
Was zum Teufel ich mir dabei gedacht habe, weiß ich nicht, nur dass ich danach zu stolz war, es zurückzunehmen – der Entschluss war besiegelt. Damit ich den grauenhaften Tag der letzten gerauchten Zigarette so lang wie möglich hinauszögern konnte, brauchte ich für die 5 Packerl, die ich noch übrig hatte, plötzlich doppelt so lang wie sonst – aber der Moment kam natürlich trotzdem unweigerlich und mit rasender Geschwindigkeit auf mich zu. Vorher musste ich mich natürlich bei meinen Bekannten, die Nichtraucher waren, erkundigen wie es sich so anfühlt, so ein tristes Dasein ohne Tschick zu fristen:

Ich: Du, sag‘ mal, wenn du was trinken gehst mit Freunden, was machst du da dann eigentlich?
NR: Naja, was man halt so macht – sich einfach unterhalten und gemeinsam was trinken!
Ich: Hmmm, naja, dafür brauch‘ ich ja nicht in ein Café gehen, trinken kann ich daheim auch was!

Trotz meinen Erkundigungen über das Leben als Nichtraucher und akribischer mentaler und physischer Vorbereitung auf den Abschied durch die Besorgung von Unmengen Nikotinpflastern, trat die Depression fast in derselben Sekunde ein, in der ich die letzte Zigarette ausdrückte. So verbrachte ich mit gebrochenem Herzen ein Wochenende in meinem alten Kinderzimmer bei meinen Eltern daheim (mein Herzschmerz war schlimmer als bei der Trennung vom Exfreund – ich mein‘, was sind schon ein paar Monate gegen ein paar gemeinsame Jahre durch dünn und dick?), besorgte mir ein Yoga Buch und versuchte, in mich zu gehen und den Sinn meines Lebens als Nichtraucher zu finden. Blöd nur, dass ich zwei Wochen später meine Bachelorarbeit abgeben musste, und so war nach einem Wochenende voller Tränen am Sonntag Abend Schluss damit und ich wurde ziemlich unsanft von meiner Mutter ins echte Leben zurückbefördert.

Was seitdem passiert ist? Ich habe meine Bachelorarbeit abgegeben, auch die Prüfung gemacht, bin danach mit meinen Kollegen losgezogen und hab‘ einen Abend mit Strohhalm in der Hand verbracht. Ich habe angefangen, mich gesund zu ernähren und Sport zu machen und lasse mich regelmässig für’s Nichtrauchen loben. Ausserdem beschimpfe ich jetzt Raucher, die sich neben mir eine Tschick anzünden wenn ich essen will und bin meinem Freund deswegen total peinlich. Aber wenn ICH das nicht darf, wer dann? Ich bin innerlich übrigens immer noch irgendwie Raucher, manchmal träume ich noch davon – aber der größere Teil ist wohl zum Nichtraucher geworden und ich liebe die positive Wendung, die mein Leben seither genommen hat – das ist ein Abschnitt, der definitiv zu mir gehört, aber weit, weit, weit zurückliegt. Das ganze ist jetzt über zwei Jahre her und das ist meine „Nichtraucherstatistik“ von Mai, als ich meinen 2. Jahrestag mit mir selbst gefeiert hab – hätte ich doch bloß einen Dauerauftrag auf mein Konto eingerichtet 🙂

P.S.: Ich helfe natürlich jedem von euch gerne, wenn ihr Tipps und Tricks zum Aufhören braucht – schreibt mir einfach eine Mail!

Zug-Vögel

Ich pendle ja seit über einem Jahr zwischen Salzburg, Wien und Kärnten. Diese Strecken, genauer gesagt 420 Kilometer (wenn ich am Freitag von Wien über Salzburg nach Kärnten fahre), lege ich am liebsten mit dem Zug zurück. Am Anfang hab‘ ich’s ja noch mit dem Auto versucht, aber auf Dauer wusste ich nicht, wer mir mehr leid tat – mein kleiner Fiat 500, dem ich die Kilometer nur so raufgebrummt hab‘ – oder ich, wenn ich wieder einmal mit verkrampften Händen vom Lenkrad festhalten (Windstöße und Spurrillen machen sich beim 500 nicht so gut) und mehr als gelangweilt (ich wollte gerade „gebored“ schreiben – so weit ist es schon mit mir und meinem Englisch-Deutsch gekommen) beim jeweiligen Ziel angekommen aus dem Auto gekraxelt bin.
Nun gut, das Auto steht also seit einiger Zeit in Wien und wird für die unglaubliche Strecke zwischen 7. (Arbeit), 9. (Wohnung) und 5. (Vicky’s Dachterrasse) Bezirk missbraucht (überall wo ich sonst hinfahre trinke ich für gewöhnlich Alkohol und muss daher auf die U-Bahn umsteigen) und mein bester Freund heißt seither „Westbahn“ (oder von mir auch liebevoll „Westkarrn“ genannt). Nicht nur, dass die Westbahn unglaublich günstige Tickets und gratis Internet anbietet (warum das Internet gratis ist, weiß man spätestens nach den 30 Minuten, die es dauert, Facebook zu öffnen), nein – sie ist auch noch schnell und ultra-spacig, unsere ganz eigene, österreichische Version vom deutschen ICE. Die Westbahn find‘ aber nicht nur ich cool; mir scheint’s, als ob die Österreicher (und zwar wirklich Hinz und Kunz) auf einmal draufgekommen sind, wofür die Schienen da neben der Strasse liegen! Ja, urplötzlich ist Zugfahren fortschrittlich, komfortabel und „grün“ („green“ würde man jetzt nämlich auf Englisch hier schreiben) – und Herr und Frau Österreicher können es sich jetzt auch leisten, seitdem die ÖBB mit ihren unverschämten (!) Preisen endlich einen Konkurrenten hat.
Blöd nur für mich, denn ich teil‘ meinen Sitz nämlich nicht so gern mit anderen – früher war ich genau so eine, die ihre Tasche so lang wie möglich am Nachbarsitz stehen lässt und mit starrem Blick nach vorn etwaige Anfragen, ob denn der Sitz noch frei wäre, abzuwehren versuchte. So untolerierbares, unsoziales Verhalten wird dir in der Westbahn allerdings schnell abgewöhnt, jetzt wird der Österreicher, durch eigene „Teilt eure Sitzplätze“-Ansagen vom Zugführer persönlich, zum Teilen erzogen! Ich oute mich also seither als routinierter Zugfahrer und stelle meine Tasche erst gar nicht auf den Nachbarsitz – diese soziale Weiterentwicklung meines inneren, asozialen Schweinehunds überrascht nicht nur mich selbst, sondern auch alle meine potentiellen Sitznachbarn, wenn sie nach der allseits gefürchteten Frage: „ist hier noch frei?“ ein strahlendes Lächeln und: „ja, sehr gerne sogar“ empfangen. Ok, das „sehr gerne“ war jetzt gelogen, aber ich seh‘ mich selbst echt gern als strahlenden Märtyrer. Denn, sind wir jetzt mal ehrlich, man kann ja NIE wissen wer da neben einem landet.
So hatte ich ein paar Mal schon richtig Glück, zum Beispiel hab‘ ich mich mit einem netten jungen Herrn ca. 1 Stunde über alte Kameras, Fotografie und unsere tiefgründigen Lebenswege unterhalten (Hallo Gerald, wenn du das liest!) und eine richtig gute Zeit verbracht. Die meiste Zeit hab‘ ich aber nicht so viel Glück und krieg‘ die RICHTIGEN Vögel ab. Einmal hat einer neben mir mit seiner Freundin am Handy Schluss gemacht; das hat ungefähr 45 Minuten gedauert, war an Dramatik kaum zu überbieten und hat das ganze Abteil unterhalten – haben die Leute eigentlich kein Schamgefühl mehr? Innerlich hab‘ ich 3 Kreuze vor Dankbarkeit für meinen Freund gemacht, der würd‘ wenigstens zum Schluss machen auf die Toilette gehen. Ein anderes Mal hat sich ein sehr hübsches Mädchen neben mich gesetzt, worüber ich ziemlich froh war, dann hatte die aber offensichtlich, oder sollte ich offenriechlich schreiben, ein gröberes Problem mit ihrer Verdauung und hat mich intensiv daran teilhaben lassen – olfaktorisch und auditiv (auf gut Deutsch, ich hab’s gerochen und gehört). Vor einer Woche gab’s fast eine Schlägerei zwischen einer Hundebesitzerin und der Schaffnerin, weil die ohne Maulkorb unterwegs war und trotz bezahltem Ticket aussteigen musste – mitten in der Pampa (OK gut, die Pampa war Linz, aber trotzdem). Dann gab es noch die drei Jungs, die dachten, sei wären so schlau, die Kontrolleure zu überlisten und schwarzfahren zu können, indem sie stetig die Abteile wechselten – Gott sei Dank war ich dabei, als sie „geschnappt“ wurden, es war wirklich sehr spannend muss ich sagen, vor allem als der Coolste, als letzten Ausweg vor der Strafe, zum Weinen angefangen hat – hätt‘ ich genauso gemacht!
Irgendwie, oder gerade dadurch, ist die Westbahn auf ungezählten Kilometern für mich ein Stück Heimat geworden, mit all ihren Zug-Vögeln – ich sitze übrigens gerade drin und der Sitz neben mir ist, obwohl die Tasche am Boden steht, noch frei – HA!