Man muss die Feste feiern, wie sie fallen

So. Vor knapp zwei Wochen haben Vicky und ich unsere Launch Party für The Daily Dose gefeiert. Blogazine-Geburtstagsparty quasi, nur ohne Torte und Lied, dafür aber mit Eis und Cocktails. Auch nicht schlecht. In der Zwischenzeit habt ihr sicher auf ein oder zwei Blogs einen Bericht über die Party gelesen (wenn nicht: hier oder hier oder hier oder hier oder hier) – deswegen erspare ich euch jetzt mal das ganze Drumherum und die pinken Luftballons und komme zum Wesentlichen: meiner psychischen Verfassung vor der Party. Ich habe bis jetzt geglaubt, dass ich psychisch ein recht stabiler Mensch bin (Lüge!), oder dass ich zumindest einiges aushalten kann – offensichtlich gab es da ein Missverständnis mit mir selbst,

wie sich in den Nächten vor der Feier herausgestellt hat – da hab‘ ich nämlich kein Auge zugetan und essen konnte ich sowieso drei Tage lang nix. Nicht einmal vor meiner Matura war ich so nervös, auch nicht vor der Diplomprüfung, nicht mal dann, wenn ich mir selbst die Augenbrauen färbe. Ihr müsst wissen, ich bin von Sternzeichen Löwe, und zwar ein Vollblutlöwe wie er im Bilderbuch steht. Um euch das Bild des Löwen näherzubringen, ein paar Eigenschaftsdefinitionen von „Astro Power“ (haha, der Name ist so geil), die fett markierten Eigenschaften treffen zu 100 % auf mich zu (für die Kurzsichtigen unter uns – hier ist alles fett markiert Nachtrag: beim nochmaligen Durchlesen der Eigenschaften habe ich festgestellt, dass ich nicht männlich bin, eine doch recht späte aber notwendige Erkenntnis):

kreativ, emotional, eigenständig, eigenwillig, imposant, majestätisch, königlich, kraftvoll, mutig, aktiv, männlich, stolz, würdevoll, schöpferisch, herzlich, ehrlich, heldenhaft, vergnügungssüchtig, entschlossen, selbstherrlich, selbstsüchtig, selbstsicher, selbstbewusst, lässig, faul, großzügig, großspurig, extrovertiert, risikofreudig, riskant, mutig, unerschrocken, heldenhaft, wagemutig, überheblich, arrogant, draufgängerisch, verspielt, kindlich, naiv.
 
Soviel dazu. Dann gibt es auch noch folgende Definiton auf Astro Power:Im Zeichen Löwe geborene Menschen sind großmütig. Sie müssen im Scheinwerferlicht stehen und wenn sie das erreicht haben, genießen sie es im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.“ Und weiters: „Die Stärken des Löwen liegen in seinem Organisationstalent und in seiner Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Er besitzt ein riesiges schöpferisches Potenzial, das er auch gerne im Job einsetzt.“ 
 
Wir wissen jetzt also, dass Löwen gern im Scheinwerferlicht stehen und keine Angst vor Herausforderungen haben. Man sollte daher meinen, so eine kleine Feier sei für mich ein Klacks. Ich dachte dasselbe, bis mir zwei Tage vor besagter Party einfiel, dass wir ja eine REDE halten sollten. Ich meine, eine Feier ohne Rede ist wie Schnitzel ohne Reis – oder so, jedenfalls wenn man Reis mag. Ich mag ja Kartoffeln zum Beispiel gar nicht so gern zum Schnitzel, mir ist Reis viel lieber. Naja. Jedenfalls sitzen die Vicky und ich am Abend bei ihr zuhause und rollen kleine Röllchen mit unseren Press Kits für die Goodie Bags (bitte tosender Applaus an dieser Stelle, wir hatten Press Kits und Goodie Bags!!), und auf einmal sagt die zu mir: „Heeey, wir könnten doch jetzt eigentlich mal unsere Rede üben!“. „Na Bumm“, denk ich mir, und jede Ruhe, die ich bis zu diesem Zeitpunkt noch hatte, war dahin. Ich meine, in meinem Hinterkopf wusste ich die ganze Zeit, da war doch was, aber ich hatte es bis dato erfolgreich in die tiefsten Tiefen meines Bewusstseins zurückgedrängt. Ungefähr dahin, wo ich auch die Matheformeln und Telefonnummern von Festnetzanschlüssen gelagert habe. 
 
Dann haben wir jedenfalls geübt, bis Vicky sich eine spitze Scherbe in den Fuss gerammt hat – sie hat mir schon sehr leid getan, aber immerhin war damit das unliebsame Thema „Rede“ vom Tisch. An die darauffolgenden Tage habe ich keinerlei Erinnerung mehr, mein Körper befand sich wahrscheinlich seit der Erkenntnis der bevorstehenden Rede im Schockzustand. Vicky dagegen ist rumgerannt wie ein Eisblock, so cool war sie (sie war allerdings schon viel länger nervös als ich, aber sie hat das halt gescheit gemacht und auf kleine Dosen aufgeteilt, quasi ihre Daily Dose of Panicking) – am liebsten hätte ich mich bei ihr festgeklammert und die Augen zugemacht, bis es vorbei ist. Im Endeffekt war’s dann so: obwohl ich die ganze Zeit kurz vor dem Herzstillstand war, hab‘ ich es glaub ich doch ganz OK rübergebracht und mich kurz davor sogar darauf gefreut, endlich allen von unserem Projekt erzählen zu können. Naja, wir sind ja auch ziemlich stolz darauf, was wir geschaffen haben – das kann man ja auch mitteilen! Schaut mal, das waren wir bei der Rede:
 
Im Großen und Ganzen habe ich folgendes gelernt:
 
– fahre vor einer Party nicht auf Urlaub
– falls du doch auf Urlaub fährst, bedenke, dass du einen 40-Stunden-Job hast, ergo nur die Feierabende         für Planung und Organisation zur Verfügung stehen
– engagiere einen Praktikanten, der dir intravenös Baldrian spritzt und dir zufächert; wenn er damit nicht          ausgelastet ist, lasse ihn die Röllchen für die Press Kits einrollen
– halte ein Glas Wasser für die Rede bereit, es sei denn, du willst innerlich austrocknen
– bring ein Sackerl für die Geschenke mit (ehrlich, das war wie Weihnachten!)
Eine Party zu feiern ist wirklich lustig, aber nächstes Mal komm‘ ich wieder als Gast – da hat man auch mehr von den Cocktails und vom Eis!

Insta Love #13: Couples Edition

Das ist ja so eine Sache mit den gemeinsamen (Spiegel-)fotos und den Männern an unserer Seite. Ich kenne hier ziemlich viele verschiedene Exemplare der Gattung „Mann“ und deren Einstellung zu Pärchenfotos vor und hinter dem Spiegel, habe es aber geschafft, sie im Lauf der Zeit zu kategorisieren.
Mein lieber G. ist definitiv Typ 2 (und ich bin echt froh drüber)!
1. Der Prinz
Der Prinz, in seiner extremen Form auch „Prinzchen“ genannt, stößt bei der Aufforderung zu einem gemeinsamen Foto einen freudigen, dem Balzruf nicht unähnlichen Laut der Begeisterung aus. Kurz darauf erscheint auf seinem Gesicht entweder ein fratzenhaftes Grinsen, oder aber er entscheidet sich für die gewagtere Variante und umarmt sein Weibchen. Die Steigerungsform des Umarmens ist der „Fotokuss“, der mit geschlossenen Augen und gespitzten Lippen vollzogen wird – dieser ist allerdings nur selten in freier Wildbahn und nur am Höhepunkt der Paarungszeit zu beobachten.
2. Das Model
Das Model ist einem gemeinsamen Foto nicht abgeneigt, steht aber nicht in jeder Lebenssituation dafür zur Verfügung und bedarf für das Spiegelfoto einiger Vorbereitung. Vor dem Foto wird das Balzkleid zurechtgelegt, bei der Abbildung werden mehrere Anläufe gebraucht, bis es zum endgültigen Vollzug des Fotoakts kommt. Selten werden dem Weibchen gegenüber auf den Bildern Liebkosungen zum Ausdruck gebracht, er konzentriert sich hierbei eher auf sich selbst – dies ist jedoch abhängig von der jeweiligen Stimmung des Männchens vor dem Foto. Will das Weibchen ihren potentiellen Fotopartner zu einem Ausdruck der Zuneigung am Foto bringen, greift es vorher oft zu erotisierenden Maßnahmen, um das Männchen in die richtige Stimmung zu versetzen.
3. Der Grinch
Der Grinch hasst Fotos jeglicher Art, vor allem aber mit seinem Weibchen – es könnte für seinen weiteren Paarungs- und Balzerfolg bei anderen Weibchen hinderlich sein. Des Weiteren fürchtet er Imageschäden innerhalb seiner Gattungsgruppe und hat Angst, von seinen Artgenossen geächtet zu werden. Er lehnt es ab, in sentimentalen Posen verewigt zu werden. Falls dies doch geschieht, greift er zu drastischen Maßnahmen, um die Veröffentlichung der Fotos zu verhindern. Dies ist beim Grinch genetisch veranlagt und nicht änderbar. Das Fotoverhalten des Grinch sagt allerdings nichts über seine Stimmungs- und Gefühlslage dem Weibchen gegenüber aus – oft drückt er seine Zuneigung in stillen Momenten aus, indem er sich an das Weibchen schmiegt und liebkost werden möchte.
Welcher Fototyp ist euer Freund? Habt ihr noch ein Exemplar, das ich vergessen habe? Schönes Wochenende meine Lieben!

Mein Leben als Rauch(-er)

Ich will euch heute eine kleine-große Geschichte erzählen. Die Geschichte heißt: Wie Katharina „mein zweiter Name ist Kettenraucher“ zum Nichtraucher wurde. Untertitel: Mit ein bisschen Dramatik ist alles möglich. Auch wenn es jetzt schwer vorstellbar ist, habe ich eine lange Zeit meines Lebens als Raucher verbracht. Ich würde sogar sagen, dass der Begriff „Raucher“ für das was ich war, nicht ausreicht – streichen wir also das „-er“ und machen daraus nur „Rauch“, das beschreibt es besser. Ich habe also eine lange Zeit meines Lebens als Rauch verbracht – zumindest muss mich meine Umgebung so empfunden haben. Ich habe damals ungefähr 30 Zigaretten am Tag geraucht und habe es GELIEBT – Rauchen und ich, das hat einfach gepasst. In meinen sucht-verworrenen, vernebelten Gedanken hatte ich Angst vor der Vorstellung, irgendwann mal schwanger zu werden, denn dann hätte ich ja damit aufhören müssen. Die Zigarette war mein bester Freund, mein „Socializer“, meine Ablenkung und Trost, mein Wartezeitenverkürzer und mein Begleiter bei den besten Gesprächen über Kerzenlicht und Rotwein.
Ihr könnt euch jetzt ungefähr vorstellen, wie stark ich abhängig war von meinem Nikotinfreundchen und wie sehr ich ihn geliebt habe – es wäre mir zu keinem Zeitpunkt in den Sinn gekommen, damit aufzuhören, ganz im Gegenteil: als diese schleichende Anti-Raucher-Bewegung vor ein paar Jahren angefangen hat, dachte ich mir nur, „jetzt erst recht ihr Spiesser, meine Lebensfreude lass‘ ich mir bestimmt nicht nehmen!“. Das sind übrigens die typischen Gedanken von, sagen wir mal vorsichtig „fast“ (ich will ja hier nicht wieder eine auf’n Deckel von den Rauchern kriegen, die von sich behaupten sie seien anders) allen Rauchern, man würde ja nicht auf die Idee kommen, dass es einfach grauslich ist was man macht und damit sich und seine Umgebung derart belästigt, dass es eigentlich eine Frechheit ist – nein, man fühlt sich eigentlich immer nur unfair behandelt und verlangt von allen anderen, dass sie den Rauch und den Gestank gefälligst hinzunehmen haben. Ist doch eigentlich total logisch, oder? Dafür können die Raucher übrigens nix, dass sie so denken – so funktioniert eben Suchtverhalten, ganz nebenbei gesagt.
Ich war also mit meinen Freunden in der „Wir-sind-Raucher-und-wir-lieben-es“ Traumwelt, es war geil und wir hätten ewig so weitermachen können – bis ich meinen Freund kennengelernt habe. Der ist nämlich strikt gegen jeglichen Drogenkonsum (außer Alkohol, der ist sozusagen unser gemeinsamer Freund). Gesagt hat er am Anfang nichts, denn wenn man frisch verliebt ist (ich geh‘ zumindest davon aus, dass er das war), akzeptiert man ja so einiges. Aber nach der Zeit beschlich mich langsam das Gefühl, dass dem G. (nein, ich will hier nicht G-Punkt sagen, dass ist nur die Abkürzung für meinen Freund) das nicht so taugt – wenn ein Mensch wie von der Tarantel gestochen von dir wegrückt wenn du ihm ein Küsschen aufdrücken willst, ist das auch nicht wirklich schwer zu interpretieren. Das war der Anfang vom Ende. Ich habe dann immer recht wenig geraucht, wenn ich bei ihm war, dafür aber vorher und nachher umso mehr – man muss ja schließlich seinen Pegel aufrecht halten!

Irgendwann war er dann für ein Wochenende nicht da und innerlich ist in mir die große, neue Freiheit ausgebrochen – ich bin mit meinem besten Freund losgezogen (Benni, du bist schuld!) und hab‘ ein ganzes Wochenende geraucht wie ein Schlot – bis ich mich dann am Sonntag Abend gefühlt hab wie ein nasses, ausgedrücktes Handtuch auf der Wäscheleine und mich innerlich vor mir selbst gegraust hab‘. Also beschloss ich, aufzuhören, und musste es natürlich in bekannter, oberdramatischer  Kathi-Manier sofort vor versammelter Mannschaft verkünden – sonst wär’s auch nur halb so geil gewesen!
Was zum Teufel ich mir dabei gedacht habe, weiß ich nicht, nur dass ich danach zu stolz war, es zurückzunehmen – der Entschluss war besiegelt. Damit ich den grauenhaften Tag der letzten gerauchten Zigarette so lang wie möglich hinauszögern konnte, brauchte ich für die 5 Packerl, die ich noch übrig hatte, plötzlich doppelt so lang wie sonst – aber der Moment kam natürlich trotzdem unweigerlich und mit rasender Geschwindigkeit auf mich zu. Vorher musste ich mich natürlich bei meinen Bekannten, die Nichtraucher waren, erkundigen wie es sich so anfühlt, so ein tristes Dasein ohne Tschick zu fristen:

Ich: Du, sag‘ mal, wenn du was trinken gehst mit Freunden, was machst du da dann eigentlich?
NR: Naja, was man halt so macht – sich einfach unterhalten und gemeinsam was trinken!
Ich: Hmmm, naja, dafür brauch‘ ich ja nicht in ein Café gehen, trinken kann ich daheim auch was!

Trotz meinen Erkundigungen über das Leben als Nichtraucher und akribischer mentaler und physischer Vorbereitung auf den Abschied durch die Besorgung von Unmengen Nikotinpflastern, trat die Depression fast in derselben Sekunde ein, in der ich die letzte Zigarette ausdrückte. So verbrachte ich mit gebrochenem Herzen ein Wochenende in meinem alten Kinderzimmer bei meinen Eltern daheim (mein Herzschmerz war schlimmer als bei der Trennung vom Exfreund – ich mein‘, was sind schon ein paar Monate gegen ein paar gemeinsame Jahre durch dünn und dick?), besorgte mir ein Yoga Buch und versuchte, in mich zu gehen und den Sinn meines Lebens als Nichtraucher zu finden. Blöd nur, dass ich zwei Wochen später meine Bachelorarbeit abgeben musste, und so war nach einem Wochenende voller Tränen am Sonntag Abend Schluss damit und ich wurde ziemlich unsanft von meiner Mutter ins echte Leben zurückbefördert.

Was seitdem passiert ist? Ich habe meine Bachelorarbeit abgegeben, auch die Prüfung gemacht, bin danach mit meinen Kollegen losgezogen und hab‘ einen Abend mit Strohhalm in der Hand verbracht. Ich habe angefangen, mich gesund zu ernähren und Sport zu machen und lasse mich regelmässig für’s Nichtrauchen loben. Ausserdem beschimpfe ich jetzt Raucher, die sich neben mir eine Tschick anzünden wenn ich essen will und bin meinem Freund deswegen total peinlich. Aber wenn ICH das nicht darf, wer dann? Ich bin innerlich übrigens immer noch irgendwie Raucher, manchmal träume ich noch davon – aber der größere Teil ist wohl zum Nichtraucher geworden und ich liebe die positive Wendung, die mein Leben seither genommen hat – das ist ein Abschnitt, der definitiv zu mir gehört, aber weit, weit, weit zurückliegt. Das ganze ist jetzt über zwei Jahre her und das ist meine „Nichtraucherstatistik“ von Mai, als ich meinen 2. Jahrestag mit mir selbst gefeiert hab – hätte ich doch bloß einen Dauerauftrag auf mein Konto eingerichtet 🙂

P.S.: Ich helfe natürlich jedem von euch gerne, wenn ihr Tipps und Tricks zum Aufhören braucht – schreibt mir einfach eine Mail!

Zug-Vögel

Ich pendle ja seit über einem Jahr zwischen Salzburg, Wien und Kärnten. Diese Strecken, genauer gesagt 420 Kilometer (wenn ich am Freitag von Wien über Salzburg nach Kärnten fahre), lege ich am liebsten mit dem Zug zurück. Am Anfang hab‘ ich’s ja noch mit dem Auto versucht, aber auf Dauer wusste ich nicht, wer mir mehr leid tat – mein kleiner Fiat 500, dem ich die Kilometer nur so raufgebrummt hab‘ – oder ich, wenn ich wieder einmal mit verkrampften Händen vom Lenkrad festhalten (Windstöße und Spurrillen machen sich beim 500 nicht so gut) und mehr als gelangweilt (ich wollte gerade „gebored“ schreiben – so weit ist es schon mit mir und meinem Englisch-Deutsch gekommen) beim jeweiligen Ziel angekommen aus dem Auto gekraxelt bin.
Nun gut, das Auto steht also seit einiger Zeit in Wien und wird für die unglaubliche Strecke zwischen 7. (Arbeit), 9. (Wohnung) und 5. (Vicky’s Dachterrasse) Bezirk missbraucht (überall wo ich sonst hinfahre trinke ich für gewöhnlich Alkohol und muss daher auf die U-Bahn umsteigen) und mein bester Freund heißt seither „Westbahn“ (oder von mir auch liebevoll „Westkarrn“ genannt). Nicht nur, dass die Westbahn unglaublich günstige Tickets und gratis Internet anbietet (warum das Internet gratis ist, weiß man spätestens nach den 30 Minuten, die es dauert, Facebook zu öffnen), nein – sie ist auch noch schnell und ultra-spacig, unsere ganz eigene, österreichische Version vom deutschen ICE. Die Westbahn find‘ aber nicht nur ich cool; mir scheint’s, als ob die Österreicher (und zwar wirklich Hinz und Kunz) auf einmal draufgekommen sind, wofür die Schienen da neben der Strasse liegen! Ja, urplötzlich ist Zugfahren fortschrittlich, komfortabel und „grün“ („green“ würde man jetzt nämlich auf Englisch hier schreiben) – und Herr und Frau Österreicher können es sich jetzt auch leisten, seitdem die ÖBB mit ihren unverschämten (!) Preisen endlich einen Konkurrenten hat.
Blöd nur für mich, denn ich teil‘ meinen Sitz nämlich nicht so gern mit anderen – früher war ich genau so eine, die ihre Tasche so lang wie möglich am Nachbarsitz stehen lässt und mit starrem Blick nach vorn etwaige Anfragen, ob denn der Sitz noch frei wäre, abzuwehren versuchte. So untolerierbares, unsoziales Verhalten wird dir in der Westbahn allerdings schnell abgewöhnt, jetzt wird der Österreicher, durch eigene „Teilt eure Sitzplätze“-Ansagen vom Zugführer persönlich, zum Teilen erzogen! Ich oute mich also seither als routinierter Zugfahrer und stelle meine Tasche erst gar nicht auf den Nachbarsitz – diese soziale Weiterentwicklung meines inneren, asozialen Schweinehunds überrascht nicht nur mich selbst, sondern auch alle meine potentiellen Sitznachbarn, wenn sie nach der allseits gefürchteten Frage: „ist hier noch frei?“ ein strahlendes Lächeln und: „ja, sehr gerne sogar“ empfangen. Ok, das „sehr gerne“ war jetzt gelogen, aber ich seh‘ mich selbst echt gern als strahlenden Märtyrer. Denn, sind wir jetzt mal ehrlich, man kann ja NIE wissen wer da neben einem landet.
So hatte ich ein paar Mal schon richtig Glück, zum Beispiel hab‘ ich mich mit einem netten jungen Herrn ca. 1 Stunde über alte Kameras, Fotografie und unsere tiefgründigen Lebenswege unterhalten (Hallo Gerald, wenn du das liest!) und eine richtig gute Zeit verbracht. Die meiste Zeit hab‘ ich aber nicht so viel Glück und krieg‘ die RICHTIGEN Vögel ab. Einmal hat einer neben mir mit seiner Freundin am Handy Schluss gemacht; das hat ungefähr 45 Minuten gedauert, war an Dramatik kaum zu überbieten und hat das ganze Abteil unterhalten – haben die Leute eigentlich kein Schamgefühl mehr? Innerlich hab‘ ich 3 Kreuze vor Dankbarkeit für meinen Freund gemacht, der würd‘ wenigstens zum Schluss machen auf die Toilette gehen. Ein anderes Mal hat sich ein sehr hübsches Mädchen neben mich gesetzt, worüber ich ziemlich froh war, dann hatte die aber offensichtlich, oder sollte ich offenriechlich schreiben, ein gröberes Problem mit ihrer Verdauung und hat mich intensiv daran teilhaben lassen – olfaktorisch und auditiv (auf gut Deutsch, ich hab’s gerochen und gehört). Vor einer Woche gab’s fast eine Schlägerei zwischen einer Hundebesitzerin und der Schaffnerin, weil die ohne Maulkorb unterwegs war und trotz bezahltem Ticket aussteigen musste – mitten in der Pampa (OK gut, die Pampa war Linz, aber trotzdem). Dann gab es noch die drei Jungs, die dachten, sei wären so schlau, die Kontrolleure zu überlisten und schwarzfahren zu können, indem sie stetig die Abteile wechselten – Gott sei Dank war ich dabei, als sie „geschnappt“ wurden, es war wirklich sehr spannend muss ich sagen, vor allem als der Coolste, als letzten Ausweg vor der Strafe, zum Weinen angefangen hat – hätt‘ ich genauso gemacht!
Irgendwie, oder gerade dadurch, ist die Westbahn auf ungezählten Kilometern für mich ein Stück Heimat geworden, mit all ihren Zug-Vögeln – ich sitze übrigens gerade drin und der Sitz neben mir ist, obwohl die Tasche am Boden steht, noch frei – HA!

Über Geld spricht man nicht, über kein Geld aber schon

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Wien, Samstagnachmittag, in einem Café. In der Sonne sitzen zwei Freundinnen, die sich über die jüngsten Ereignisse ihres Lebens unterhalten, mal tiefgründig, mal oberflächlich, wie das halt so ist bei jungen Frauen. Die eine, mit leicht gebräunter Haut, erzählt von ihrem Urlaub auf den Malediven – sie denkt, es war der schönste ihres Lebens, sie hat es sehr genossen und die Zeit zur Entspannung wirklich gebraucht. Die andere, mit nobler Blässe, zeigt voller Stolz ihre neue Chanel Tasche, über die sie schon so lang nachgedacht und sich nun endlich geleistet hat. Beide strahlen und freuen sich über das Glück der anderen.

Die Freude allerdings ist nur von kurzer Dauer, denn plötzlich steht eine fremde Frau am Tisch und spricht die beiden an: „Ich saß gerade am Nachbartisch und habe eurem Gespräch gelauscht – ihr redet ja so laut, ihr habt es nicht anders verdient, als dass ich euch nun meine Meinung sage! Du mit deinem Urlaub, du hättest dir das BESTIMMT ohne deine bessere Hälfte nie leisten können, was bildest du dir ein, darüber zu sprechen obwohl ich daneben sitze? Weißt du denn nicht, dass ich nur einen normalen Job habe und es ungerecht ist, dass ich niemals so weit wegfahren könnte? Und du, mit deiner teuren Tasche, du bekommst doch ALLES von deinen Eltern – du wärst nichts ohne sie, du hast in deinem Leben nichts erreicht und hast es einfach nicht verdient, so tolle Sachen zu besitzen!“
„Oh Schreck, was maßt sich diese Frau bloß an“, denkt ihr euch jetzt bestimmt und müsst insgeheim vor Scham über ihr Benehmen ein bisschen lachen. „So etwas dreistes, das Leben fremder Menschen aufgrund eines einzigen Gesprächs zu beurteilen – und überhaupt dann, wenn es ums Geld geht, denn über Geld spricht man doch nicht, oder?“ Dass diese Situation für manche Mädchen real ist, und zwar Tag für Tag, ist kaum vorstellbar, denn die Gesellschaft hat doch schließlich genügend Anstand, um sich mit ihrer Meinung etwas Zeit zu lassen, bevor voreilige Schlussfolgerungen getroffen werden, und selbst dann – wir haben doch alle von Kinderstube auf gelernt, über Geld spricht man einfach nicht!
Tja, da habt ihr aber falsch gedacht. Würde so mancher Blog ins echte Leben transferiert werden, müssten einige Mädchen einen echten Spießrutenlauf in Kauf nehmen, wollten sie noch dasselbe Leben führen wie vorher. Ich gebe euch hierzu ein paar reelle Beispiele:
Vicky fährt auf Urlaub. Sie arbeitet seitdem sie 18 ist, hat ihr Studium in Mindestzeit abgeschlossen und betreibt momentan mit mir gemeinsam The Daily Dose, ihren eigenen Blog und hat einen Teilzeitjob. Trotzdem muss sie sich rechtfertigen, wie sie sich einen tollen Urlaub leisten kann – ohne ihren Freund wäre das SICHER nicht möglich. Und überhaupt, in ihrem Alter ist das nicht angemessen und sowieso TOTAL unfair, dass nicht alle ihrer Leser denselben Luxus genießen können wie sie – wahrscheinlich bekommt sie sowieso nur alles hinten reingeschoben wegen ihrem Blog…ja, ganz sicher sogar, DAS wird es sein! Mädels, wo ist denn eure Emanzipation geblieben? Was ist das für ein Armutszeugnis für unsere Zeit, dass ihr euch gegenseitig unterstellt, Erfolg wäre von einem Mann abhängig?
– Auf The Daily Dose posten wir Vorschläge für Urlaubsziele und Hotels und erstellen Gift Guides für diverse Okkasionen. Dabei bauen wir Empfehlungen für das ganz kleine Budget sowie für das ganz große Budget ein, aber trotzdem werden wir kritisiert, denn – es gibt ja immerhin Leser, die noch studieren, und es ist ja wirklich eine FRECHHEIT, dass wir in einem Magazin für Mittzwanziger über Produkte der gehobeneren Preiskategorie berichten. Leute, wenn das so weitergeht, können wir gleich eine Seite über Feriencamps, Jugendherbergen und die besten Schnäppchen bei Kik daraus machen. Es gibt einfach Menschen, die sich etwas leisten können, nehmt es einfach mal so hin wie es ist und gebt dieser Tatsache nicht so eine unglaubliche Bedeutung, vor allem für euren eigenen Seelenfrieden!
Anna ist so nett und präsentiert uns ihren Kleiderschrank – ein sehr großzügiges Angebot und ein intimer Einblick, den sie uns gewährt. Wir freuen uns wie kleine Kinder darüber, unseren Lesern einen Eindruck einer anderen Welt zu geben, damit wir alle ein bisschen träumen können, wohl in dem Bewusstsein, niemals selbst so viel besitzen zu werden – und überhaupt, wieviel Wert hat denn BESITZ eigentlich? Für einige anscheinend soviel, dass es ihnen bitter aufstößt, dass ein Mensch, den sie nicht einmal kennen, einen Kleiderschrank voller Designertaschen und wunderschönen Schuhen hat. Meine Lieben, ich hab da Neuigkeiten für euch: von denen gibt’s noch ein paar auf dieser Welt, und zwar in einem Ausmaß, wo Anna nur ein kleiner Fisch dagegen ist. Überraschung, Überraschung! Was veranlasst euch also dazu, so verbittert zu werden, bissig wie Vorstadtköter, eure Kommentare unter anonymisierten Namen hinauszupfeffern um euer eigenes Ego zu befriedigen, anstatt diesen Reichtum zum Anlass zu nehmen, SELBST hart für euer Ziel zu arbeiten, motiviert und engagiert zu sein?
Meine Konklusion ist also folgende: während in den Generationen vor uns Frauen dafür GEKÄMPFT haben, viel zu verdienen, erfolgreich zu sein und sich gegenseitig bei ihren Vorhaben unterstützt haben, ist es heute anscheinend angesehener, in einer Neidgesellschaft zu leben und sich ungebremst über andere auszulassen, anstatt sich selbst bei der Nase zu nehmen und etwas dafür zu tun, dasselbe zu erreichen – denn, und soviel kann ich euch verraten, es ist durchaus möglich, selbst erfoglreich zu werden wenn man weniger Energie darauf verwendet, den Blick auf andere zu richten, und mehr darauf, den richtigen Weg für sich zu finden. Weiters ist es nach wie vor nicht gern gesehen, über Geld und Reichtum öffentlich zu sprechen, es ist aber wohl erlaubt, vor sich hinzujammern, dass man eben jenes nicht hat, nie erreichen wird und sich nichts leisten kann.

Mir geht es in diesem Post nicht um eine Diskussion über die Einkommensverteilung oder die Schere zwischen Reich und Arm, die immer mehr auseinandergeht – ich bin mir dieser Problematiken sehr wohl bewusst und der Meinung, dass dagegen etwas getan werden muss. Mir geht es um diese ungehemmte, öffentliche Giftspuckerei und Boshaftigkeit, ohne jederlei Contenance und Selbstreflektion.

Ich kann euch nur eines dazu sagen: ich habe mehr als hart für meinen Erfolg gearbeitet, habe ebenfalls seitdem ich 18 bin durchgehend gejobbt, habe Praktika gemacht, ein berufsbegleitendes Studium absolviert, im Ausland gearbeitet und auf VIELES verzichtet, was meine Vollzeit-Studienkollegen, die immer noch im 10. Semester BWL herumgammeln, erleben konnten.
Aber es hat sich ausgezahlt, ich stehe heute da und bin in einer Managementposition angestellt und ich sehe nicht ein warum ich mich, genauso wie meine oben genannten Kollegen und andere erfolgreiche Frauen, nun dafür SCHÄMEN sollte, erfolgreich zu sein – harte Arbeit wird belohnt, es ist genau so und nicht anders, auch wenn ihr Neider da draußen es immer gerne anders seht und eure Missgunst als unseren Fehler darstellt – ihr seit es, die sich schämen sollten.

Wirklich, der Neid is wos schiachs.

(Übrigens, eure Kommentare zu diesem Post sind jetzt schon vorhersehbar, ich habe sie ja schon oft genug auf anderen Blogs gelesen und werden folgendermaßen lauten: das hat ÜBERHAUPT nix mit Neid zu tun, was bildest du dir ein, glaubst du du bist was besseres, es ist nicht jeder Mensch in eine gute Familie geboren worden, manche Menschen haben einfach Glück, informier‘ dich mal über die Geschichte der Emanzipation, wenn man von vornherein kein Geld hat kann man keine gute Ausbildung machen – been there, done that, Mädls 😉 )