My Brain On Paper: SM 12.0

Let’s talk about… Social Media… again. Stimmt, wieso über Krieg, geschichtliche Ereignisse, neue Forschungsergebnisse bezüglich des Klimawandels oder über Klimt und seine Auswirkung auf die Wahrnehmung Wiens im Weltenverband sprechen, wenn man auch über Apps reden kann. Apps. Das kann ja auch schon keiner mehr hören. Klingt eigentlich wie ein Dorf in Tirol. Woher bist du so? Aus Ebbs. Und recht viel mehr Bedeutung sollten “Apps” in unserem Leben auch nicht haben – ich entschuldige mich schon hiermit bei den aufgebrachten Tirolern, ich weiß, ihr seid auch wichtig. Bischt a Tiroler, bischt a Mensch. Denn rufen wir uns mal kurz ins Gedächtnis, worüber hier mit der Dringlichkeit einer politischen Notlage gesprochen wird: es ist ein kleines Kästchen auf eurem Handy, wo in einer virtuellen Blase virtuelles Zeug gespeichert ist, das ihr mit virtuellen Freunden teilt. Sounds like fun? Wieso also ausgehen, Spaß haben, Unterhaltungen führen, lernen, studieren oder Sport machen wenn ich auch all das in einer Ebb haben kann und dafür nicht mehr bewegen muss als meinen Daumen und den Augapfel?

Bevor ich hier weiter lamentiere wie eine 80-jährige, lasst mich gleich zum Punkt kommen. Jetzt haben wir uns monatelang über Instagram beschwert. Über Facebook. Über Algorythmen. Rithmen. Wie auch immer. Über Fakes. Über Follower. Über generell alles, aber abmelden tut sich trotzdem keiner, schließlich hängt unser ganzer virtueller Fame davon ab und 90% der Influencer wären urplötzlich wieder normale Menschen und keine Donuts-essenden, size-double-zero-tragenden, immer-fröhlichen, kunterbunten Supermodels mehr. Seit einer Woche gibt’s jetzt eine neue App, Vero, und so schnell wie sie gehyped wurde, so schnell wurde sie auch schon wieder vom Social Media Mob mit brennenden Fackeln und großem Gebrüll niedergerissen. Dass die persönliche Geschichte des Gründers mehr als fragwürdig und die AGB’s scheiße sind ist nicht zu bestreiten und ich wusste viel zu wenig darüber, bevor ich mich selber angemeldet habe. Dennoch beschleicht mich das Gefühl, dass es hier um etwas ganz anderes geht: nämlich die Neuverteilung der Chancen. Plötzlich sind wir wieder alle gleich. Und der Umschwung auf eine neue App zeigt denen, die so viel in Instagram investiert (ob Zeit oder Geld lasse ich mal dahin gestellt) einen kleinen Blick in ihre Zukunft, wenn das Followerkonto wieder auf Null steht und man von vorne anfangen darf. Und ich frage mich auch, wieso man im Internet immer aus allem so einen mega big deal machen muss. Sehr treffend bin ich gerade hier drüber gestolpert: “Many people don’t know this, but it’s possible to read something you don’t agree with on the internet and simply move on with your life”. Boom, major newsflash! Sagt mal, glaubt ihr eigentlich alle wirklich, dass es Instagram für immer geben wird? Und eure Enkel mit Tränen in den Augen eure Feeds durchscrollen und Sachen wie “ach, weißt du noch, als Oma damals immer so gern Avocado Toast gegessen hat” sagen? I don’t think so, Susan. Lasst uns also alle ein bisschen chillen, nicht immer alles sofort zerreissen und schlecht reden – irgendeine App, wo wir unsere Kaffeetassen posten können, wird es doch immer geben.

  

Jacke: Mango || Pullover, Hose, Tasche: Zara || Schuhe: Kurt Geiger || Brille: Saint Laurent

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26 Kommentare

  1. Helena
    1. März 2018 / 11:04

    Haha, mehr als Kaffeetassen posten brauchen wir auch nicht 😂✌🏻
    Super gut zusammengefasst, lieben Danke dafür!

  2. Lilly
    1. März 2018 / 11:06

    So recht hast du! Deswegen..genieß dein Leben! Und was du neulich in den instagram stories gesagt hast darüber, dass soviele Menschen schon da rumlabern ohne Mehrwert und du keine Lust drauf hast – stimmt auch. Auch wenn ich dir immer gern zugehört habe 🙂

  3. Elisa
    1. März 2018 / 11:07

    <3 kathi, you made my day – Danke für diesen post! Du bist einfach wöd!

  4. Stefanie
    1. März 2018 / 11:13

    Ich feier diesen Beitrag!

  5. Laura
    1. März 2018 / 11:19

    Liebste Kathi,
    ich finde deine Brain on paper Beiträge ja immer herrlich und stimme dir auch heute im Großen und Ganzen zu. Nur irgendwie hört es sich heute an, als wärst du kurz ausgerastet und hättest das ungefiltert ausgespuckt. Aber hey, dein Blog, deine Gedanken.
    <3

    • ketchembunnies
      Autor
      1. März 2018 / 11:22

      Ist auch so 🙂 Aber meine Texte entstehen immer so. Kurzer Gehirnkollaps, alles hingeschrieben und 5 Minuten veröffentlicht. Kurzer Rage muss auch mal sein und es ist einfach ein Thema, das gerade in meiner Branche zur Zeit einfach zirkuliert bis zum geht nicht mehr und mir persönlich geht’s einfach nur noch auf die Nerven 🙂

      • Laura
        1. März 2018 / 11:37

        Wahrscheinlich fallen solche Beiträge inmitten der rosaroten Blogwelt einfach auf 😀 Aber das ist ja auch gut so und genau dafür schätzen wir dich ja 🙂

  6. 1. März 2018 / 11:35

    Amen sister! <3 Wenn's mal einen g'scheiden Award in diesem ganzen Blogger Bizz geben sollte, dann gehört er dir in der Kategorie "beste Kolumne".

  7. Simone
    1. März 2018 / 11:42

    Sehr guter Artikel und wie immer unterhaltsam zu lesen!
    Vor allem mit der Aussage über die neuen Chancenverteilung hast du es auf den Punkt gebracht.
    Aber genau das ist auch echt witzig (oder vielleicht doch eher besorgniserregend??) zu beobachten, wie sich plötzlich alle wie die Lemminge dort anmelden ohne sich zu informieren oder genau zu wissen warum sie das überhaupt machen, nur um etwas vom Kuchen abzubekommen, sollte die App doch erfolgreich werden.
    Irgendwie schon eine traurige Entwicklung der Gesellschaft.
    Aber irgendwie würde ich es schon feiern, wenn plötzlich die ganzen “Influencer”, die innerhalb von wenigen Monaten durch ihre “harte” Arbeit auf ganz kuriose Weise zehntausende von Followern von sich überzeugen konnten (Ironie off), plötzlich virtuell völlig famelos dastehen würden.

  8. Laura
    1. März 2018 / 11:54

    Kathi, deine Beiträge haben immer so einen herrlichen subtilen Humor! Liebe es.

  9. Gabriele
    1. März 2018 / 12:09

    👏👍 sehr treffend formuliert. Ich mag deinen Stil einfach. Ehrlich und immer eine schöne Mischung aus Hirn, Gefühl, Humor und eine kleine Brise Zynismus.

  10. LAMANEKINA
    1. März 2018 / 12:15

    Love it! Du sollst mehr von deinem Brain on paper teilen 💥

  11. Olivia
    1. März 2018 / 13:41

    so true! treffend wie immer.

  12. 1. März 2018 / 13:56

    Das war auch mein Gedanke. Ja, all das viele Geld was in IG geflossen ist, um sich evtl. Bots zu kaufen… Schade drum! Danke kathi für diesnn Beitrag.

  13. 1. März 2018 / 14:21

    Oh Kathi, i feire dich gerade! PERFEKT zusammengefasst und – wie immer – sehr unterhaltsam geschrieben, Susan.

  14. Chiara
    1. März 2018 / 14:26

    Liebe Kathi,
    spontane Frage: wieso arbeitest du eigentlich nicht als Kolumnistin? Oder Buchautorin? Oder als Guru? Ok, vielleicht weil du schon deine Berufung gefunden hast. Ja, ja, ich seh’s ja ein. Mich würde allerdings mal interessieren (nur wenn du es auch beantwortet willst, natürlich), ob dir das Ganze eigentlich auch manchmal Angst macht? Die Vergänglichkeit, die Hypes oder einfach dass evt. Menschen irgendwann drauf kommen könnten dass diese Ebbs (funny Wortspiel btw, finde ich als Tirolerin!) eigentlich nur Lebenszeit kosten? Ich mach mir in letzter Zeit öfters Gedanken darüber wie sehr ich dieses Instagram wirklich brauche und ob ich es nicht einfach löschen soll. Hab mich vorerst umentschieden, bin einfach sehr vielen entfolgt. (dir nicht logischerweise). Aber wenn dann so Gehirnfürze wie Bachelor läuft und die Teilnehmerinnen über Nacht 200.000 Follower mehr haben als jene die schon Jahre daran arbeiten, frage ich mich echt ob ich das alles noch unterstützen will. Denkst du wir kommen jemals wieder davon los?

    PS: dein Gelaber auf den Instastories war immer mein favorite. Du scheinst der perfekte mix aus Gangster und Lady zu sein.

    • ketchembunnies
      Autor
      1. März 2018 / 14:32

      Das mit dem Buch ist eh so ein kleiner Traum von mir, wer weiß, vl. kann man meine Gehirnwindungen bald eh auch in der Form kaufen 🙂 Danke für das liebe Kompliment auf jeden Fall! Doch klar, ist noch blöder, wenn man indirekt davon lebt. Aber was ich gelernt hab, ist dass man immer offen für Neues bleibt und irgendwo gehen Türen auf, mit denen man nicht rechnet.

      • Vanessa
        6. März 2018 / 9:45

        Genau das denke ich mir schon seit Jahren!!! Du wärst die perfekte Kolumnistin! “Woher bist du so? Aus Ebbs.” Man füge hier alle verfügbaren tränenlachenden Emoticons ein, die WhatsApp zu bieten hat 😀 😀 😀
        Und ein Buch von dir würde einen Spitzenplatz in meinem Bücherregal bekommen 🙂 <3

  15. Elisabeth
    1. März 2018 / 15:39

    Und wenn es keine Plattform mehr gibt, wo man Avocadobrote posten kann und damit zum Hero aufsteigt, dann haben wir plötzlich ganz viele Arbeitslose…also vielleicht doch nicht ausschliesslich auf eine App setzen, sondern auf was “Handfesteres”….gab dieser Tage einen recht interessanten Artikel darüber im Standard (wenn ich mich recht erinnere) – aber deiner ist echt genial!!!

  16. 1. März 2018 / 15:47

    Hach love it 😊 Ehrliche Worte die genau zusammenfassen was los ist, man nimmt instagram einfach viel zu ernst und jeder glaubt weniger likes ruinieren einem das Leben. Arg find ich wieviele karrieren von heut auf morgen ausgelöscht werden würden wäre Instagram plötzlich offline. 😁
    Und was die Enkelkinder betrifft da trau ich meine Erinnerungen doch lieber einen guten alten Fotoalbum an viel cooler 😜
    Lg

  17. 1. März 2018 / 17:33

    Hallo Kathi,

    nun schon der zweite interessante Beitrag, den ich heute zum Thema Social Media gelesen habe. (Hast du den Blogpost von Marion auf THE TRAVEL BLOG schon gesehen? Das wär‘s mal!).

    Schön, wenn sich Leute, die mit einer Plattform erfolgreich sind, kritisch damit auseinander setzen. Aber was bleibt? Ein flaues Gefühl im Magen und dann bleibt man doch hängen auf IG, Snapchat, Vergo etc. Man denke nur an die wertvolle Zeit, die man da verbringt, wo man doch in echt volle Kaffeetassen mit einer Freundin genießen könnte…

  18. 1. März 2018 / 19:53

    Der Beitrag hat mich wirklich zum Schmunzeln gebracht, er vereint so viele, was mir auch momentan durch den Kopf geht. Insgesamt bin ich Vero aber schon alleine dafür dankbar mal wieder etwas Wirbel und Kontroverse in die Social Media Welt gebracht zu haben.
    Liebe Grüße ♡Kristina
    http://www.thekontemporary.com

  19. 1. März 2018 / 20:56

    Grandios Kathi! Wie immer ein grandioser Post! Vielen vielen Dank für deine Worte und die viele inspiration, die sie enthalten.
    Liebe Grüße aus Berlin,
    xx Ronja

  20. Leni
    2. März 2018 / 8:02

    Herrlicher Kommentar und so treffend!
    Made my Day 🙂

  21. Kat
    15. März 2018 / 16:51

    Du triffst den Nagel auf den Kopf! So sehr ich Apps wie IG auch mag und gerne nütze, ich bin froh, dass sie für mich größtenteils nur Privatvergnügen sind, und ich ohne schlechtes Gewissen auch mal 1 oder 2 Wochen Pause machen kann. Real life, das passiert auch, wenn man es nicht postet.

    Mit Verwunderung stolperte ich kürzlich über den Beitrag einer Bloggerin, deren IG-Account über Nacht gelöscht wurde. Sie schrieb, sie wachte in einem Meer von Tränen auf. Naja, die Löschung ist zwar sicher sehr unangenehm, zeigt jedoch auch wie wichtig es ist, sich mit einem Blog unabhängig von IG & Co. zu machen. Sein eigenes kleines Online-Reich zu haben. Und Apps nicht überzubewerten – dann muss man auch nicht weinen 😉

    Mach weiter so!

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