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Und ich so: absurd!

19. März 2014
Es gibt so Tage, wo mir alle Leute um mich herum ja totaaal schrullig vorkommen. Nur ich nicht. Gestern zum Beispiel, als mir meine Freundin mitgeteilt hat, dass sie schon wieder ein Packerl bei H&M bestellt hat. Aber nur im Sale, deswegen ist das OK. Dass sie im Sale in der Zwischenzeit so viel ausgegeben hat, wie Vicky’s neue Isabel Marant Pumps kosten, wird hurtig unter den Tisch gekehrt – oder die Tatsache an sich erst gar nicht wahrgenommen. Oder neulich, als der G. mir verkündete, dass er sich deswegen mit dem Bügeln seiner Hemden so schwer tut, weil man sie ja nass bügeln muss und ich ihm das nicht gesagt habe – nicht etwa, weil es ihn einfach nicht freut, und deswegen bin ich jetzt auch an dem Hemdenstapel schuld, der sich im Badezimmer türmt. Oder meine Bekannte, die Angst vor dem Telefon hat und deswegen nie in einem richtigen Job arbeiten wird. Sind die etwa schräg? Mit Sicherheit! Und dann habe ich, selten aber doch, diese wachen, glasklaren Momente, wo ich mir zwangsläufig die Frage stellen MUSS, ob ich nicht auch eine von denen bin. Von den Schrulligen. Die mit den seltsamen Macken und so.
Absurd. Und plötzlich fällt mir auf, dass ich ständig irgendetwas an mir behandle. Zur Zeit ist es meine Darmflora die ich saniere, trinke aber am Tag trotzdem 4 Espresso mit Zucker, esse zum Frühstück ein Croissant und zum Mittagessen ein Wurstbrot; vorher waren es die Nebenhöhlen, letztes Jahr war ich bei der Physiotherapie weil ich einen Senk- und Spreizfuß habe und deswegen gehe wie eine Ente. Gestern war ich bei der Augenärztin, nächste Woche bin ich bei der Akupunktur – gegen die Schlafstörungen und mein Herzrasen. Ich nehme Tabletten für Haut, Haare und Nägel  und braue mir selbstgemachten Tee anhand eines Buchs, in dem sämtliche Krankheiten dieser Welt beschrieben und mit Teemischungen kuriert werden. Eigentlich bin ich nie fertig mit dem Projekt “Körpersanierung”.
Schrullig. Ich bin niemals zufrieden mit meiner Garderobe und nehme mir ungefähr jeden Tag mehrmals vor, alles zu verkaufen und mich komplett neu – anhand meines neuen Ich’s und der jungfräulichen Stilvorstellung, die damit einhergeht – auszustatten. Deswegen habe ich nie Geld, obwohl ich ja innerlich versuche zu sparen, aber immer viele Klamotten, die ich eigentlich nicht mag. Das ist auch der Grund, warum ich zum Weggehen immer dieselben drei Kleider aus dem Schrank hole und alles andere langsam aber sicher im Schrank verstaubt. 
Seltsam. Ich bin recht rührselig und schnell gekränkt, teile aber selber kräftig aus und spare nicht mit Ratschlägen, sich Niederlagen bloß nicht zu Herzen zu nehmen. Wenn eine ältere Kollegin mich vor Gästen zurechtweist, gehe ich danach ins Büro und vergieße ein paar Tränchen wie eine Fünfjährige. Ist DAS etwa nicht seltsam? 
Aber dann erkenne ich auch, dass all diese Macken und Besonderheiten uns einzigartig machen. Das ist es, was das Leben lebenswert macht – sich immer wieder neu zu erfinden, Probleme anzugehen, über Schrullen zu lachen, sich zu verändern und dazuzulernen. Und mit dieser Erkenntnis fällt es mir viel leichter, meine eigenen Macken, aber auch die der anderen, etwas milder zu betrachten und nicht gleich über andere zu urteilen – denn wer weiß, vielleicht ist das H&M Packerl der einen die Darmflora der anderen. 
In diesem Sinne – schönen Wochenteiler euch allen und viel Spaß mit euren Schrullen 
- weil perfekt sein langweilig ist!

**Bild über A Fabulous Fete

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16 Comments

  • Reply Modelirium 19. März 2014 at 17:59

    toller artikel!! ich musste wirklich lachen :)
    alles liebe, carina von http://www.modelirium.at

  • Reply Mia 19. März 2014 at 18:21

    Irgendwie macht mir der Post Mut, obwohl es ja eigentlich alles lustig geschrieben ist, ist es manchmal echt blöd, wenn man sich selbst seltsam vorkommt und ich kenne das Gefühl gut.
    Macken sind nichts Schlimmes, jeder hat sie, und doch kommt man sich manchmal albern vor oder ärgert sich darüber, wenn man sich mal wieder zum Kopfschütteln verhalten hat.
    Ich bin auch ein Hypochonder und obwohl ich weiß, dass es meistens Anstellerei ist, belastet es mich auch irgendwie, wenn ich mal wieder denke, dass ich irgendwas habe.
    Deshalb danke für deine Worte, hat mich zum Lachen gebracht und ich fühle mich weniger allein mit meiner Macke :)

  • Reply Anonymous 19. März 2014 at 18:25

    Liebste Kathi, DANKE für deine Ehrlichkeit und deinen Schreibstil- du hebst dich mit beidem deutlich aus der restlichen Bloggerszene ab, positiv freilich!!
    Genau so weiter bitte! :)
    Grüßchen, Pia

  • Reply the golden kitz. 19. März 2014 at 18:26

    Hach, so ein toller Text liebe Kathi. Danke dafür – und ja bei dem ein oder anderen Thema erkenne ich mich absolut wieder! Gott sei Dank sind wir alle ein bisschen schrullig, seltsam und nicht ganz perfekt ;-) Liebe Grüße!

  • Reply Süchtig nach... 19. März 2014 at 18:31

    Totaaaaaal genialer Beitrag.. ich bin genauso :D :D

  • Reply prettycurvysecrets 19. März 2014 at 19:14

    Also schrullig sind wir ja alle irgendwie aber zu dem Bügelproblem hätte ich eine Lösung http://prettycurvysecrets.blogspot.co.at/2013/07/test-nie-mehr-bugeln.html

    All die anderen Macken muss man einfach zu schätzen wissen, quasi Spezialeffekte ;)

    LG Sandra

  • Reply re 19. März 2014 at 20:46

    danke für diesen tollen post!!! auch ich kann das nur all’ zu gut nachvollziehen…!
    herzlich re

  • Reply Anonymous 19. März 2014 at 20:47

    Danke für deine Ehrlichkeit :D
    ich hatte heute so einen Tag, wo ich mir richtig seltsam neben anderen vorkam…. na gott sei dank sind wir im Endeffekt alle auf unsere eigene Art schrullig. Wär doch fad, wenns anders wäre oder? ;)

    LG, Raphaela

  • Reply Birgit 19. März 2014 at 20:49

    ich liebe deine ehrlichkeit. du kommst einfach so sympatisch und echt rüber! dein blog ist einfach nur toll! und ich finde es noch toller, dass du auch mal posts hast, in denen es nicht nur um nagellack oder handtaschen geht. bitte mach weiter so!

  • Reply Anonymous 19. März 2014 at 22:07

    sehr sympathisch – also zuzugeben , dass du ein paar tränchen verweinst ( sofern dass nicht nur die meinung deines lyrischen ichs ist ) finde ich sehr mutig . Vermutlich bist du eine der Personen von denen man denkt , die ist selbstsicher, die kann austeilen , die haut so schnell nichts um :) – siehe die Bekannte mit der Telefonphobie, die wird sich freuen , wenn sie liest , dass sie nie einen “richtigen” Job bekommen wird :) lass doch mal den Espresso weg, dann sparst du dir den Gang wegen Herzrasens /Schlafstörungen und die Darmsanierung brauchst du dann vermutlich auch nicht mehr , aber wo bleibt dann das Projekt ;))

  • Reply Svetlana 19. März 2014 at 23:18

    Wieder einmal ein sehr sehr toller Beitrag.
    Oh, das mit dem dem ins Zimmer gehen kenne ich von mir selber.
    Aber du sagst es, die “Schrulligkeiten” macht und einzigartig und liebenswert :)

    Liebst
    Svetlana von Lavender Star // BlogLovin //
    Instagram // Faceboook

  • Reply Anonymous 20. März 2014 at 10:26

    Ich finde deine Artikel immer toll :-)

    Liebe Grüsse aus der Schweiz

  • Reply Pieces of Mariposa 20. März 2014 at 10:30

    Ahahaha, “das H&M Packerl der einen die Darmflora der anderen”, ich musste soooo lachen!
    Super Beitrag und ich muss zugeben, dass ich auch wie eine fünfjährige im stillen Kämmerchen
    ein Tränchen verdrücke, wenn ich im Job zurechtgewiesen werde. Diese “Eigenschaft” macht mich
    rasend, man will doch immer souverän, tough und erwachsen wirken und dann das!!!!!!:D
    LG, Vanessa

    http://www.piecesofmariposa.com

  • Reply Stefanie Herrmann 20. März 2014 at 10:33

    Ich muss es noch einmal sagen, deine Beiträge sind der absolute Hammer. So toll geschrieben und oft muss ich lachen weil ich mich wiederkenne.
    Wirklich toll!
    Einen wunderschönen Tag & liebe Grüße, Stefanie

  • Reply Anonymous 24. März 2014 at 18:47

    wirklich toller Artikel :-)

  • Reply moerkrum 26. März 2014 at 22:57

    Ohne Schrullen wären das Leben und all die Menschen darin doch nur halb so interessant :-)

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